Ausgabe 9: Alba Berlin vs. Gießen 46ers (8.4.2012)

Berlin, Alba Berlin, Gießen 46ers, Eastside Gallery, O2-WorldWas wurde über diese Halle nicht alles geschrieben. Es wurde demonstriert. Es wurde diskutiert. Doch letztendlich wurde am Rande der ehemaligen Berliner-Mauer die O2-World mitten in eine Brache gesetzt. Zu ihren Füßen schlängelt sich ein langes Stück des ehemaligen antifaschistischen Schutzwalls, der heute ein buntes Kaleidoskop von Gemälden beherbergt und für Touristen immer eine Reise wert ist: die Eastside Galerie. Nur heute geht’s mal um Sport.
Nun liegt sie da, wie ein gestrandeter Wal und empfängt seine Besucher zur mittäglichen Basketballpartie zwischen Alba Berlin und den LTI Gießen 46ers. Dies ist im Vorfeld eher eine Begegnung der Gegensätze: Alba, der mehrmalige Deutsche Meister und Pokalsieger, hatte die letzten elf Spiele der Saison gewonnen und konnte heute das Dutzend voll machen. Diese Mannschaft von sehr guten Spielern (u.a.DaShaun Wood (MVP der letzten Saison), Heiko Schaffarzik und einige mehr) die mit einem vielfachen des Etats der Mittelhessen arbeiten können.
Berlin, Alba Berlin, Gießen 46ers, Eastside Gallery, O2-WorldGießen, das letzte Gründungsmitglied der Basketballbundesliga, hatte seine glorreichen Zeiten Ende der 1960er bis 1970er Jahre. Sie leben momentan noch von ihrer Tradition, da der letzte große Erfolg aus der Saison 2004/2005 stammt.Hier konnte man sich bis ins Halbfinale vorkämpfen. Doch in den letzten Jahren geht es den Gießenern nur darum, nicht den Gang in die Zweitklassigkeit anzutreten und damit wohl den freien Fall in die Bedeutungslosigkeit zu vollziehen. Der Niedergang von Gießen lässt sich ebenfalls am geringen Zuspruch möglicher Gästefans verdeutlichen. Gerade mal zwei (!) Personen erheben sich und klatschen lautstark Beifall für die Truppe, die sich heute anschickt den Alba-Spieler das Osterfest zu vermiesen. Der Rest der Fans schaut bedröppelt unter sich und hofft das sie nicht allzu herbe wird – die Niederlage.
Das Event „Basketball“ wird in dieser Arena zelebriert: Lichtspiele, Sound der einem das Mittelohr raushaut und die Sponsorenspiele in den Viertel- und Halbzeit Pausen. Der „Sponsor des Tages“, eine Berliner Buslinie, stiftet einen Preis, der bei allen Anwesenden ein Quell der guten Laune hervorruft: eine Busreise nach Hannover. Die vier ins Publikum katapultierten Teilnehmer T-Shirts werden munter unter den Zuschauern weiter gegeben, keiner hat die Lust sich in die niedersächsische Hauptstadt zu begeben. Der Steward der den gezwungen Teilnehmer aufklärt wie der Gewinner ermittelt wird (wir machen so ne Art „Reise nach Jerusalem“ – total witzig!!) und motiviert den jungen Mann aus Reihe H zum mitmachen. „Das wird richtig spaßig!“, hört man den topmotivierten Steward davon traben. Der Gesichtsausdruck verrät allerdings Bände – bei Teilnehmer und Alba-Mitarbeiter. Grobe Zusammenfassung: Jeder Kluburlauber dreht sich angewiedert von der Szene ab, bis eine 10jährige sich erbarmt und die Reise nach Jericho Hannover gewinnt. Die Eltern freuen sich mit ihr. Bestimmt.
Das Spiel wird erstaunlicher Weise schwerer für Alba Berlin, als es wohl der Coach erwartet hat, der seine Truppe mit drei Nachwuchskräften bestückte. Diese betraten leider während der gesamten Partie nicht das Parkett,  sondern die Stammkräfte mussten sich Mühe geben. Würde man nicht wissen, dass hier ein Meisterschafts- gegen einen Abstiegskandidaten spielte, wäre dieses Geholze auf der Platte zweier Absteiger würdig. Armut gegen Elend drückt es treffender aus. Nach unnötigen technischen Fouls, bei denen zuerst den Berlinern ihren MVP Wood abhanden kommt und danach der giftige Gießener Sazai die Spielfläche verlassen muss, hat Alba zu Beginn des letzten Viertels den Gegner im Griff. War es punktemäßig bis zu diesem Zeitpunkt ein Duell auf Augenhöhe, hielten die Albatrosse das Team von Gießenes Trainer Harmsen auf Abstand und können mit einem 80:67-Erfolg den Ostersonntag zu Ende gehen lassen. Zufrieden kann aber Berlins Coach Brian Herbert nicht sein. Dies war ein Arbeitssieg, den sie nur dem Unvermögen und fehlender Zurückhaltung der 46ers zu verdanken haben. Eine Überraschung der mit 9500 Zuschauern besetzten Halle, war es allemal und hatte den Weg in die Halle zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße gelohnt.

Berlin, Alba Berlin, Gießen 46ers, Eastside Gallery, O2-WorldEtwas verwirrt und erleichtert strömen die Zuschauer aus der Halle und erfreuen sich der untergehenden Sonne. Alba siegt nun zum zwölften Mal in Folge und kann auf eine gute Playoffplatzierung hoffen, um den Titel vielleicht in dieser Saison in die Hauptstadt zu holen.
Die Sonne senkt sich über den Ostbahnhof und schickt ihre Strahlen auf die Eastside Gallery, die wie jeden Tag bis in die Abendstunden von allerlei Touristengruppen bestaunt und fotographiert wird. Nichts ahnend, welcher sporttechnische Überraschung sich fast hinter ihrem Rücken abgespielt hat.

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9. April 2012. Schlagwörter: , , , , , . Basketball, Berlin, Sport.

3 Kommentare

  1. Peter Munges replied:

    Hier, mach mal ein paar Absätze… is ja voll der Kloppertext! 😉

    • heikoeisser replied:

      Kloppertexte machen Spaß. Dem Leser muss auch was geboten werden. 🙂

  2. Peter Munges replied:

    Siehste, jetzt ist Gießen abgestiegen!

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