Ausgabe 10: Der Reichstag

Das historische Berlin hatte viele Bauten, die während der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg zerstört bzw. nach dem Krieg abgerissen werden mussten. Die unterschiedlichen Regierungssysteme in West- und Ostberlin fassten ebenfalls das kulturelle Erbe dieser Gebäude anders auf. Wurde im Westteil der Stadt einiges erhalten und wiederaufgebaut, hatte die Führung des Zentralrates eine Tilgung des kapitalistischen Gedankengutes und deren Bauten im Sinn. Vielmehr sollten neue Bauten das sozialistische Denken fördern und eine neue Zeit einläuten. Das Berliner Stadtschloss, welches viele Jahrzehnte das Bild der Mitte Berlin prägte, wurde abgerissen und durch den Palast der Republik ersetzt. Diese Bau sollte somit den Beginn einer neuen Ära einläuten – knapp vierzig Jahre schaffte es diese Regierungsform. Der Palast der Republik wurde entfernt und der geschichtsträchtige Ort wird in den nächsten Jahren mit dem Wiederaufbau des Stadtschlosses neu erschlossen. Im Westen der Stadt wollte man sich trotz der schrecklichen Kriegserinnerungen, aber auch an die Erhaltung historischer Gebäude wagen. Die Gedächtniskirche, Schloss Charlottenburg u.vm. können heute besichtigt werden und sind bei Touristen immer beliebte Ziele. Mit dem Beschluss der deutschen Bundesregierung den Sitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, rückte ein Gebäude wieder in den Blickpunkt, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder der Mittelpunkt großer Veränderungen in Deutschland war: Der Reichstag. Dieses von 1884 bis 1894 erbaute Regierungsgebäude, beherbergte die Anfänge der Demokratie in Deutschland, erlebte die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Dritten Reich und die Wiedervereinigung eines Volkes, dass trotz jahrelanger Trennung wieder zueinander finden wollte. Heute ist es der Plenarbereich der Bundesregierung wo an 20 bis 22 Sitzungswochen im Jahr die Debatten zur Regierung des Landes satt finden. Jedem Bundesbürger steht das Recht zu, dieses Gebäude zu besichtigen und ihren gewählten Vertretern somit bei der Arbeit zu zuschauen.Reichstag Berlin Wolken Deutschlandfahne

Die Anmeldung

Um den großen Ansturm von in- und ausländischen Gästen bewältigen zu können, ist eine Onlineanmeldung erforderlich. Diese Anmeldung ist entgeltfrei und wird in vier Besichtigungsgruppen unterteilt.

Wir entschieden uns für die Anmeldung zu Kuppelbesichtigung, da hier schneller Termine verfügbar sind und man innerhalb von drei bis sieben Tagen eine Zusage bekommt. Ein Termin plus zwei Alternativtermine sind anzugeben, wenn es sich anbietet nimmt der geneigte Besucher natürlich drei aufeinander folgende Termine. Alle Besucher müssen mit Namen und Geburtsdatum angemeldet werden.

Begründung ist, dass alle Besucher überprüft würden. Kann ich mir bei rund 2000 – 5000 Besuchern pro Tag schlecht vorstellen. Ist spontan allerdings jemand daran interessiert mit den angemeldeten Gästen mit zu kommen, wird diesen mit dem Hinweis auf die Überprüfung der Zugang verweigert. Schade, aber verschärfte Sicherheitskontrollen machen dies unmöglich.

 Der Besuch

Kurz vor der Besichtigung meldet sich die Besucherbetreuung des Reichstages mit einer Email, welcher Termin nun für einen vorgesehen ist. Man wird aufgefordert, bis eine viertel Stunde vor dem Termin, bei der Sicherheitskontrolle zu erscheinen.

Da man aber auch vor dem Termin eintreten kann, ist das nur als Richtzeit zu stehen. Man hat uns dreißig Minuten vor Termin nicht abgewiesen. Die Sicherheitskontrollen bestehen – wie vom Flughafen bekannt – aus einer Gepäck- und einer Metallschleuse. Der Pass wird ebenfalls kontrolliert. Spätestens hier, wird einem die Sinnlosigkeit dieser Kontrollen wieder bewusst. Im Flieger bekomme ich keine privaten Getränke rein; die „Sicherheitskontrollen“ des Reichstages erlauben es mir 1,5 Liter wasserähnlichen Flüssigkeit mit zuführen. Ein Schelm, der hier nun andere Flüssigkeiten mit nimmt.

Danach geht es den Aufgang zum Vordereingang hinein. Dem geschichtsbewussten Bürger, wird hier schon die Inschrift

„Dem Deutschen Volke“

begegnen. Der Duft der Vergangenheit umweht die Stufen.

Der Fahrstuhl bringt die Gäste direkt zur Dachterrasse. Hier ragt die 23,5 Meter hohe Kuppel in den Berliner Himmel, die Sir Norman Foster in Gedenken an die alte Architektur des Gebäudes wieder errichtete.

Ein Rundgang, innerhalb der Kuppel, bringt einen unter das nicht vorhandene Dach. Alle nötigen Infos über das Gebäude, die Architektur und die umliegenden Gebäude, erfährt man über einen kostenlosen Audioguide. An verschiedenen Punkten kann so die Umgebung von oben betrachtet werden und Berlin bietet somit einen neuen Blick.Reichstag Dachterrasse Audioguide Bernd das Brot

Der Aufenthalt hier oben ist zeitlich nicht begrenzt und jeder Gast hat so die Möglichkeit seine eigene Geschwindigkeit zu gehen. Der Audioguide schafft es dennoch, dass der Zu- und Abfluss der Gäste recht flüssig ist und man nie das Gefühl hat, dass zu viele Menschen um einen herum sind. Das Touri-Nerv-Gefühl kommt gar nicht erst auf.

Schaut und hört man sich um, bekommt man schnell den Eindruck, dass nicht nur ausländische Gäste hier einen weiteren Pflichtspot besuchen. Viele Bürger nutzen dieses Angebot um sich einen Eindruck zu verschaffen, und dürften ebenfalls zu einer Führung wieder kommen. Zumindest mir geht es so, da dieses Gebäude noch viele interessante Blickwinkel zu bieten hat.

Was vom Tage übrig blieb 

Hat man sich vorher ein wenig informiert, ist die Anmeldung, die Zusage und der Eintritt in den Reichstag recht einfach und schnell über die Bühne.

Das Gebäude und die Möglichkeit hier der Politik „aufs Dach“ zu steigen, verfehlt seine Wirkung nicht. Man ist beeindruckt, welche Ausstrahlung das Gebäude heute noch hat, obwohl es nun schon weit mehr ist als eine reine Sehenswürdigkeit. Man kann regelrecht die Geschichte spüren, die nicht nur mit dem deutschen Volk verbunden ist.

Und das Ganze erlebt man noch ohne weitere Kosten. Man investiert Zeit und ist beeindruckt welche Ereignisse dieses Gebäude erlebt und verarbeitet hat. Nutzt diese Möglichkeit! Ihr werdet die deutsche Geschichte in einem anderen Licht sehen.

Reichstag Kuppel Aufgang Menschen

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22. April 2012. Schlagwörter: , , , , . Berlin, Besichtigung.

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