Ausgabe 12: Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen

Ministerium für Staatssicherheit – im Volksmund „Stasi“ genannt, war in der DDR die gefürchtetste Institution und durch ihr Netz an Agenten weit verzweigt im eigenen Staat.

Stasi Hohenschönhausen Gefängnis Tür


Das MfS wurde am 8.Februar 1950 gegründet und sollte in der Sprache der SED das „Schild und Schwert der Partei“ sein. Diese Institution der Machterhaltung spionierte im Ausland, aber auch innerhalb der DDR um politisch-ideologische Feinde ausfindig zu machen und diese zu bestrafen. Ein Institution also, die seine eigenen Bürger am Ende der SED-Regierung in sämtlichen Bereichen aushorchte und Kommunikationswege (Telefon, Post, Reisen etc.) der DDR-Bürger -Insassen überwachte.
Neben der Zentrale, mit Büro des Stasichefs Erich Mielke, in der Berliner Normannenstraße, war die Hauptabteilung IX einer der größten MfS-Komplexe im Osten Berlins. Hier in Hohenschönhausen entstand aus der ehemaligen Großküche der Nationalsozialisten nach dem Zweiten Weltkrieg ein sowjetisches Gefangenen Lager für politische Gefangene.
Den Ausbau der Lagerräume im Keller zur Gefängniszellen mussten Insassen des Speziallagers 3 übernehmen, d.h. die Gefangenen bauten sich ihre eigenen Zellen, die meist nur aus fensterlosen Zellen bestand, in denen eine große Holzpritsche den Hauptteil der Zelle einnahm; ausgelegt für sechs Personen – bewohnt in Höchstzeiten von bis zu 12 Häftlingen.
Als die DDR 1951 zur Selbstverwaltung frei gegeben wurde – weiterhin unter Steuerung Moskaus – gingen dieser Gefängniskomplex an das Ministerium für Staatssicherheit über.

Die Nutzung blieb die Gleiche.

Bis 1989 wurden hier die Untersuchungegefangene des MfS zentral gesammelt. Durch Aus- und Umbauten entstand ein Gebiet in Hohenschönhausen, welches auf den offiziellen Landkarten als kahle Stelle markiert war. Die Abschottung nach Außen wurde durch hohe Mauern mit rund-um-die-Uhr-Bewachung und Wachtürmen vollzogen.
 Der Besuch
Mit S-Bahn und Tram tief in das Herz von Berlin-Hohenschönhausen. Das Allee-Center an der Landsbergerallee begrüßt uns an diesem Montag Nachmittag von seiner besten Seite. Mandy und Kevin kaufen mit Tochter Tamara und Sohn Dwight für die Woche ein.
Ein kleiner Fußmarsch bringt den Besucher über die Genslerstraße hinunter. Eine mittlerweile gutbürgerliche Gegend, die nicht auf das Gebiet einer ehemaligen Haftanstalt schließen lässt.
Der moderate Eintritt von 5€ (ermäßigt 3,50€) inklusive einer gut 90minütigen Führung sind entrichtet. Herr Santos begrüßt uns auf seine Art und freut sich, mit uns die Gefängnisanlage zu besichtigen.
Hier schon die erste Überraschung: Herr Santos war selbst Insasse in Hohenschönhausen. Die offenen Führungen innerhalb des Geländes, also nicht die von angemeldeten Gruppen, werden von ehemaligen Häftlingen des SED-Regimes durch geführt.

Dieser authentische Blick, ist sehr beeindruckend und bringt den Besucher näher an die Qualen und Ungerechtigkeiten heran.
Die Führung startet im Kellergefängnis der alten Anlage. Hier wurden die Gefangenen in den Lagerräumen der ehemaligen Großküche gefangen gehalten. Sechs Mann in einem Raum, der nicht größer sein dürfte, als 12qm. In dieser Enge wurden sechs Gefangene beherbergt, die sich zusammen einen als Blecheimer getarnten Abort teilten. Die hygienischen Bedienungen ließen Krankheiten freien Lauf. Der ständige Mangel an Tageslicht tat ihr übriges, um den Gefangenen die Lebensenergie zu entziehen.
Diese menschenunwürdigen Verhältnisse wurden noch durch Folterungen unterstützt. Nachbauten von Foltermaschinen verdeutlichen hier, dass alles probiert wurde um den Gefangenen alles zu entlocken – ebenso bekamen die „Verhörer“ falsche Geständnisse, damit die Qualen beendet wurden. Ergebnis ist Ergebnis.
Folterungen wurden erst nach Tod Stalins eingestellt.

Stasi Hohenschönhausen Gefängnis Gang1961 konnte ein Neubau genutzt werden, der nun den Gefangenen Einzelzellen vorsah. Diese 100 Zellen dienten nur der Untersuchungshaft, nicht der Verbüssung von Haftstrafen.
Die Gefangenen wurden in einem Transporter ohne Fenster auf das Gelände gebracht, einzeln aus dem Fahrzeug zur Anmeldung gebracht und hier nach der Zellennummer benannt – kein Kontakt zu Mitgefangenen konnte hergestellt werden. Dies sollte sich während des Aufenthaltes in Hohenschönhausen für die Insassen nicht ändern.
Jede personenbezogene Ansprache war den Wachen untersagt. Den Wärtern wurde erzählt, dass sie hier „normale“ Häftlinge, wie Mörder, Diebe etc. bewachen. Doch in Hohenschönhausen gab es diese Verbrecher nicht. Hier wurden ausschließlich politische Gefangene befragt, die Ihre Meinung über Staat und Politik öffentlich bekannt hatten bzw. von Spitzeln an die Stasi gemeldet wurden.
Die bedrückende Ruhe einer Zelle machte uns Herr Santos sehr deutlich, in dem er uns die Anstaltungskleidung präsentierte, die uniform aus alten Volksarmee Sportanzügen bestand – mit Pantoffeln als einziges Paar Schuhe. Danach schloss er die Tür und wir hörten vom Zellengang nicht einen Ton. Diese Isolationshaft sollten den Gefangenen zeigen, dass sie alles verloren hatten und sich nur noch durch ein Geständnis „befreien“ konnten. Psychoterror auf höchstem Niveau.
Im zweiten Stock der Anlage befanden sich die Verhörräume. 120 Räume. Zwanzig Räume mehr als Zellen.
Der Aufbau dieser Räume ähneln sich alle. An einem Schreibtisch saß der Verhörführer. Ein Team bestand aus vier Mitarbeitern des MfS und hatte verschiedene Aufgaben. Keines der Teams hatte untereinander Kontakt, so dass Verbindungen zwischen den einzelnen Insassen nur durch die übergeordnete Stelle vollzogen wurde. Jeder wusste nur soviel, wie es für seinen Fall gut war.
Ein Tisch mit vier gepolsterten Stühlen schloss an der Stirnseite des Schreibtisches an. Doch hier saß nicht der zu Verhörende. Für diesen war ein Holzschemel vorgesehen, der in der Ecke des Raumes stand. Wer hier saß hatte alle Rechte im Willen der SED verwirkt.

 

Ende gut – alles gut?
Dieser Besuch wirkt lange nach. Diese unvorstellbaren Qualen die ein Mensch zu unrecht erleiden musste, sind wohl niemals für Besucher nachzuvollziehen.
Die völlige Isolation von anderen Mitgefangenen, die Reduzierung der Menschen auf eine einfache (Zellen)Nummer und die psychische Folter können nur angedeutet werden, da die Besucher aus dieser beklemmenden Umgebung schnell wieder entfliehen können. Insassen waren hier 24 Stunden – sieben Tage die Woche, bis sie ihre „Tat“ gestanden hatten – ihre Meinung zum Staat.

Ein Vebrechen, das in einer Demokratie jedem zustehen sollte – selbst in der Deutschen Demokratischen Republik. Doch dies war sie nur auf dem Papier; und Papier ist geduldig.Stasi Hohenschönhausen Gefängnis Wachturm

De Führung durch ehemalige Insassen über den Gefängniskomplex Hohenschönhausen, sollte jeder Bundesbürger einmal mitgemacht haben – speziell die, die sich den Staat DDR wieder zurück wünschen. Denn Herr Santos hat dies in einer Aussage zusammengefasst:

In einem Staat, der seine Bürger für ihre Meinung einsperrt, foltert und zu Verbrechern macht, möchte ich nicht leben – Sie vielleicht?

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2. Mai 2012. Schlagwörter: , , , , , , , . Berlin, Besichtigung, Museum.

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