Ausgabe 13: Pokalerlebnisse

Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow IckeDer Pfingstsamstag fuhr in diesem Jahr an sportlichen Highlights zwei große Ereignisse auf: einerseits wurde das Halbfinale der Handball Champions Leauge, die in Köln zwischen den Füchsen Berlin und dem THW Kiel ausgespielt. Wer allerdings die weite Anreise scheute, konnte sich im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark das Endspiel um den Pokal des Berliner Fußball Verbandes anschauen.
Hatten noch wenige Tage zuvor im fünfzehn Kilometer entfernten Olympiastadion sich die Dortmunder Borussia in einem spektakulären Endspiel gegen Bayern München durchgesetzt, wurden hier nun kleinere Brötchen gebacken.
Im Bezirk Prenzlauer Berg traf das Regionalliga-Nord Team des Berliner AK auf den SC Gatow, der in der sechsten Liga auf Punktejagd geht. Mit dem Gewinn des Berliner Pokals ist nicht nur ein Titel zu vergeben, sondern der Sieger darf in der 1.Hauptrunde der DFB-Pokalsaison 2012/13 starten – dies darf noch nicht mal Dynamo Dresden.Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow Icke
Die Rollenverteilung war durch den Zweiklassenunterschied von vornherein klar; doch so einfach sollte es sich doch nicht ergeben.
Der in Berlin Moabit beheimatete Athletik Klub 1907 e.V., konnte diesen Pokal im Jahre 2010 schon einmal gewinnen und in den Genuss eines Gegners der ersten Bundesliga kommen. In dieser ersten Runde im DFB-Pokal 2010/11 waren die Mannschaft des FSV Mainz05 zu Gast, der man damals nur knapp mit 1:2 unterlegen war. Doch nicht nur der namhafte Gegner ist ein Ansporn für die Mannschaften die erste Runde zu erreichen – auch die Antrittsprämie von 120.000€ sollte ihr übriges tun.
Zum Anpfiff hatten sich nun knapp 1.200 Zuschauer in den Jahn-Sportpark verirrt und konnten nicht nur die beiden Mannschaften auf dem Platz begrüßen, sondern auch „Icke“. Icke ist das „niegelnagelneue“ Maskotchen des Berliner Fußballverbandes. Dieser übermotivierte Berliner-Bär (sic!) hatte nun die Aufgab beide Mannschaften und das Schiedsrichtergespann aus Lichtenberg auf den Platz zuführen und danach für Stimmung sorgen. Hatte er den ersten Teil seiner Aufgabe noch mit Bravur gemeistert, so mühte er sich redlich das Publikum zu animieren – leider nicht von Erfolg gekrönt. Wird schon Icke; Herthino is nix gegen dich!Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow Icke
Das Spiel begann recht viel versprechend. Der SC Gatow wollte sich nicht mit der Außenseiterrolle zufrieden geben und ging direkt zum Angriff über. Der Stürmer des SC (vom anwesenden Fachpublikum „Dickie Hoppenstedt“ benannt) wirbelte mit seinen knapp 15 Kilo Übergewicht durch die Abwehrreihe des Berliner AK das es nur so eine Freude war. Es war nicht effektiv was er bot, aber das Publikum amüsierte sich köstlich.
Schnell hatte sich allerdings der Regionalligist von der anfänglichen Überrumpellungsstaktik der Gastrower erholt und verliesen sich nun auf ihre spielerischen Qualitäten. Ab der zehnten Minute hatten Sie das Spiel im Griff und bis zum Sechzehner lief für die Akler alles nach Plan. An dieser Linie macht sich nun aber der Gastrower SC breit und stand mit Mann und Maus zur Verteidigung bereit. Nur der Mannschaftsbus fehlte noch.. Ein zäher Spielverlauf lies sich erahnen.
Die erste Halbzeit ging mit nur wenigen Tormöglichkeiten zu Ende, die beide Mannschaften eher aus Standardsituationen kreierten. Der Halbzeittee erlöste die 22 Spieler von ihrer Einfallslosigkeit.

In der Halbzeit hatte nun „Icke“ seinen großen Auftritt. In Dieter-Thomas-Heck-Manier führte nun der Stadionsprecher ein sensationelles Spielchen ein: Elfmeterschießen gegen Icke!!
Dem Gewinner wurden zwei Tickets zum Spiel der Deutschen Nationalelf gegen Schweden im Oktober dieses Jahres in Aussicht gestellt. Konnte man auf Seiten der eher türkischen Berliner AK-Fans schnell einen Kandidaten finden, gestaltete sich das gleiche Unterfangen auf Seiten der Anhänger des SC Gatow schwieriger. Nach einigem Hin und Her („wer von Euch ist denn noch nüchtern genug?“) wurde ein weißer Pelé entdeckt, der sich auf dem Platz gleich die Kugel nahm. Er jonglierte, dribbelte und künststückelte mit der Kugel gleich drauf los und heimste verhaltenen Applaus der Tribüne ein – viele waren eher peinlich berührt.
Der Aushilfs-Messi war dann im Elfmeterschießen so gut, wie die englische Nationalelf bei der Europameisterschaften 1996 und darf nun somit das Länderspiel von seiner Couch aus sehen.Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow Icke

Die zweite Halbzeit wurde von den Mannschaften nun dort fortgesetzt wo die erste endete: Der SC versuchte sich mit der Chelseataktik (9 Verteiger – ein dicker Stürmer) und der Berliner AK schaffte es einfach nicht, seine nun immer häufiger heraus gespielten Chancen zu nutzen. Nachdem das Publikum schon langsam unruhig wurde und Fachgespräche immer tiefer gingen („Dat Spiel dauert doch 90 Minuten, oda?“ – „Ick gloob schon“) wurde es nun gefährlich: Der Berliner Ak bekam einen Freistoß zugesprochen, der in seiner Entstehung sogar den drei Stooges ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hätte.
Ein Gastrower Spieler sah aus nächster Nähe, wie zwei Moabiter bei der Jagd nach dem Ball sich so unglücklich trafen, dass beide auf dem grünen Rasen endeten. Der Schiedsrichter wertete dies wohl als unterlassene Hilfeleistung des Gastrowers, dass er Freistoß aus halbrechter Position für die Akler pfiff.
Die Verwunderung bei allen Beteiligten war so groß, dass der wuchtige Schuss des Berliner AK-Spielers Lichte in der 72. Minute recht humorlos im Gastrower Kasten einschlug.
Aber hier schien der Widerstand des Sechstligisten gebrochen zu sein, da nur noch der AK spielte – das war 2:0 die logische Folge. Hier konnten sich die Moabiter wieder voll und ganz auf den Schiedsrichter verlassen, der einen kleinen Trikotzupfer als schwere Störung des Angreifers wertete und man nun mit Strafstoß dem Berliner AK den Gewinn des Berliner Stadtpokals schenkte und damit den lukrativen Einzug in den DFB-Pokal. Hinterher fragt sowieso keiner mehr, wie es zustande kam.Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow Icke
Alle Zuschauer verstreuten sich nun hauptstadtgemäß recht schnell in alle Winde und das Stadion wurde noch einige Zeit von den Hardcore Gastrow-Fans gesanglich beschallt. Diese Gruppe war eindeutig die 10€ Eintritt wert, da sie ihre Mannschaft 90 Minuten lautstark unterstütze und ihren Präsidenten („Bruno hat den längsten“) und seine Frau („Mechthild wink einmal“) ordentlich feierten.
Dem Berliner AK ist nun zu wünschen, dass Sie in der ersten Runde des DFB-Pokals einen namhaften Gegner zu gelost bekommen (Auslosung 26.Juni). Im Poststadion an der Lehrter Straße dürfte sich dann wieder ein großes Publikum einfinden, um am Wochenende vom 17.-20.August 2012 die Mannschaft aus der Mitte Berlins eine Runde weiter zu begleiten.

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31. Mai 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Berlin, Fußball, Sport.

2 Kommentare

  1. Johnny Deluxe (@DeluxerJohnny) replied:

    Ich warte auf weitere, deluxe Beiträge!

    • heikoeisser replied:

      Hab was Neues. War heute auch eher ne spontane Geschichte, wohl er nicht wie gewohnt. Aber auch gut!

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