Ausgabe 14: Jour Fitz (2.7.2012)

Berlin Lesung Leseabend Jourfitz TwitterLeseabende sind was tolles. Da kommen unterschiedliche Menschen zusammen und hören interessiert den Themen der Autoren zu. Doch was passiert, wenn man den verworrenen Gedanken von Twitterern lauschen soll?

Dies beantwortet unter anderem der Leseabend „Jour Fitz“ der in unregelmäßigen Abschnitten im Berliner „4010“, einer Zweigstelle eines Großverdieners der Telekommunikationsbranche, stattfindet und seine Zuschauer unterhält.

An einem schwülen Juli-Abend war es wieder soweit; Gastgeber Jan Uwe Fitz bat einige Honoratioren der deutschen Twitterwelt auf die kleine, flache Bühne in der Alten Schönhauserstraße in Berlin Mitte.

Zu Beginn war der geneigte Zuschauer sicher, dass er nicht bei einem Treffen von und für Twitterer war – es gab kein offenes W-Lan und der ansässige magentafarbene Platzhirsch eröffnete nur den anwesenden Kunden seine Dienste. Im Großen und Ganzen aber zu verschmerzen, man kam ja um zu lauschen.Berlin Lesung Leseabend Jourfitz Twitter

Nach den warmen Begrüßungswort des Gastgebers, einem letzten Check des Mikros durch anwesende FachKräfte („Ich hab keine Ahnung was ich hier tue!“) startete der Abend mit Dirk Bernemann.

Da man ab Reihe 3 die vorlesenden Autoren nicht mehr sehen konnte, hatte man das Vergnügen sich ausschließlich um den Text zu kümmern. Da der Spaß ja meist im Auge des Betrachters liegt, war meine Wenigkeit wohl blind. Nicht mein Humor und daher war der Beginn der Veranstaltung für mich  eher anstrengend. Doch hatte auch er sein Publikum, welches er mit einer angesagten Zugabe zu Ende der Veranstaltung zufriedenstellen konnte.

Der nächste in der Abfolge, der nette Herr Erasmus von Meppen, beglückte die Zuhörer mit einem aus Meppens Feder stammenden Hörspiel der „ die drei ollen Knöppe“ und seiner stimmlichen Vielseitigkeit. Man konnte die drei fast bildlich vor sich sehen und ihre Balzversuche bei der örtlichen Platten-Uschi mit Wonne genießen.

Mit der hohen Kunst der Wortgewalt ging es nun weiter – dachte man. Das @haekelschwein nahm nun Platz und das Mikro war nicht sein Freund. Um auch den hinteren Zuhörer zu begeistern, sollte man das Mikro zu Munde führen – dies blieb leider aus. Ebenso ist der Mann mit dem Charisma eines Vorwerkvertreters nicht mit der lautesten Stimme gesegnet. Betraf leider nur wieder die Leute in den hinteren Reihen.

Herr @haekelschwein begann den Abend nun mit gesammelten Tweets aus seiner Feder. Ok, es waren wohl nicht seine Besten und das Publikum quittierte es zu Beginn mit eisernem Schweigen. Er steigert sich während des Marathons und es blieb teilweise der ein oder andere Schmankerl hängen:

„Wir Geisteswissenschaftler werden BWL-Bachelor niemals Akademiker nennen. Sondern Chef.“

In solchen seltenen Momenten konnte man nachvollziehen, warum sich knapp 20.000 Follower sich für die gedanklichen Ergüsse des @haekelschwein interessieren.Berlin Lesung Leseabend Jourfitz Twitter

Die Pause wurde vom Großteil der Anwesenden mit Applaus begrüßt („Gott sei Dank!“), da man die eine oder andere Lunge nach Rauch verlangen hörte. Das Pausenmotto lässt sich kurz zusammenfassen mit: „Weggegangen – Platz gefangen“.

Ein Bildervortrag des @schlenzalot über die skuriellen Erlebnisse seines beruflichen Chinaaufenthaltes läutete den zweiten Akt ein.

Ihm merkte man an, dass Präsentation und freie Rede ihm nicht fremd ist und von ihm genutzt wird. Die Anekdoten gaben sich die Klinke in die Hand und Zuhörer, die den Blog des Präsentators nicht kennen, wurden gut unterhalten. Andere eher nicht („ähm, die kenn ich doch schon alle“). Sein knapp 15-minütiger Vortrag verging wie im Fluge und die Anwesenden verabschiedeten ihn in seinen wohlverdienten Heimaturlaub.

Während dieses Vortrages merkte man schon, dass sich junge hippe Internetmenschen wohl, nicht länger als 3 ½ Texte voll konzentrieren können. Im hinteren Teil der Location fand wohl ein schöner Sektempfang statt, welcher den motivierten Teil des Abends zum Glück nicht davon abhielt, dem nächsten Akteur zu lauschen.

Es wäre ein Schande gewesen, denn @arschhaarzopf präsentierte einen Text, in dem Werbelügen, deren Protagonisten und die Meinung des Autors einen herrlich Runden Abschluss des Abends vorbereitete. Man sollte sich schon selbst ein Bild im Blog von @arschhaarzopf machen, denn mit Wortwitz und hintergründigen Aussagen stellte er mit @schlenzalot das Highlight des Abends dar.

Zum Abschluss hatten @heakelschwein und Dirk Bernemann noch einmal die Möglichkeit die Zuhörer versöhnlich zustimmen, und konnten dies bei einigen auch erreichen.

Der „Jour Fitz“-Leseabend ist sehr zu empfehlen, um einen kleinen Einblick in die weite Welt des Twitter und seiner Protagonisten zu erhaschen. Sollte ich es richtig verstanden haben, ist der nächste für den 1.Oktober 2012 (?) geplant und diese kostenlose Veranstaltung ist für Leseinteressierte nicht umsonst.

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3. Juli 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Berlin, Buch, Gedanken, Show.

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