Ausgabe 14: Jour Fitz (2.7.2012)

Berlin Lesung Leseabend Jourfitz TwitterLeseabende sind was tolles. Da kommen unterschiedliche Menschen zusammen und hören interessiert den Themen der Autoren zu. Doch was passiert, wenn man den verworrenen Gedanken von Twitterern lauschen soll?

Dies beantwortet unter anderem der Leseabend „Jour Fitz“ der in unregelmäßigen Abschnitten im Berliner „4010“, einer Zweigstelle eines Großverdieners der Telekommunikationsbranche, stattfindet und seine Zuschauer unterhält. (mehr …)

3. Juli 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Berlin, Buch, Gedanken, Show. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 13: Pokalerlebnisse

Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow IckeDer Pfingstsamstag fuhr in diesem Jahr an sportlichen Highlights zwei große Ereignisse auf: einerseits wurde das Halbfinale der Handball Champions Leauge, die in Köln zwischen den Füchsen Berlin und dem THW Kiel ausgespielt. Wer allerdings die weite Anreise scheute, konnte sich im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark das Endspiel um den Pokal des Berliner Fußball Verbandes anschauen.
Hatten noch wenige Tage zuvor im fünfzehn Kilometer entfernten Olympiastadion sich die Dortmunder Borussia in einem spektakulären Endspiel gegen Bayern München durchgesetzt, wurden hier nun kleinere Brötchen gebacken.
Im Bezirk Prenzlauer Berg traf das Regionalliga-Nord Team des Berliner AK auf den SC Gatow, der in der sechsten Liga auf Punktejagd geht. Mit dem Gewinn des Berliner Pokals ist nicht nur ein Titel zu vergeben, sondern der Sieger darf in der 1.Hauptrunde der DFB-Pokalsaison 2012/13 starten – dies darf noch nicht mal Dynamo Dresden.Berliner Pokal Berliner AK SC Gastow Icke
Die Rollenverteilung war durch den Zweiklassenunterschied von vornherein klar; doch so einfach sollte es sich doch nicht ergeben. (mehr …)

31. Mai 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Berlin, Fußball, Sport. 2 Kommentare.

Ausgabe 12: Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen

Ministerium für Staatssicherheit – im Volksmund „Stasi“ genannt, war in der DDR die gefürchtetste Institution und durch ihr Netz an Agenten weit verzweigt im eigenen Staat.

Stasi Hohenschönhausen Gefängnis Tür

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2. Mai 2012. Schlagwörter: , , , , , , , . Berlin, Besichtigung, Museum. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 10: Der Reichstag

Das historische Berlin hatte viele Bauten, die während der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg zerstört bzw. nach dem Krieg abgerissen werden mussten. Die unterschiedlichen Regierungssysteme in West- und Ostberlin fassten ebenfalls das kulturelle Erbe dieser Gebäude anders auf. Wurde im Westteil der Stadt einiges erhalten und wiederaufgebaut, hatte die Führung des Zentralrates eine Tilgung des kapitalistischen Gedankengutes und deren Bauten im Sinn. Vielmehr sollten neue Bauten das sozialistische Denken fördern und eine neue Zeit einläuten. Das Berliner Stadtschloss, welches viele Jahrzehnte das Bild der Mitte Berlin prägte, wurde abgerissen und durch den Palast der Republik ersetzt. Diese Bau sollte somit den Beginn einer neuen Ära einläuten – knapp vierzig Jahre schaffte es diese Regierungsform. Der Palast der Republik wurde entfernt und der geschichtsträchtige Ort wird in den nächsten Jahren mit dem Wiederaufbau des Stadtschlosses neu erschlossen. Im Westen der Stadt wollte man sich trotz der schrecklichen Kriegserinnerungen, aber auch an die Erhaltung historischer Gebäude wagen. Die Gedächtniskirche, Schloss Charlottenburg u.vm. können heute besichtigt werden und sind bei Touristen immer beliebte Ziele. Mit dem Beschluss der deutschen Bundesregierung den Sitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, rückte ein Gebäude wieder in den Blickpunkt, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder der Mittelpunkt großer Veränderungen in Deutschland war: Der Reichstag. Dieses von 1884 bis 1894 erbaute Regierungsgebäude, beherbergte die Anfänge der Demokratie in Deutschland, erlebte die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Dritten Reich und die Wiedervereinigung eines Volkes, dass trotz jahrelanger Trennung wieder zueinander finden wollte. Heute ist es der Plenarbereich der Bundesregierung wo an 20 bis 22 Sitzungswochen im Jahr die Debatten zur Regierung des Landes satt finden. Jedem Bundesbürger steht das Recht zu, dieses Gebäude zu besichtigen und ihren gewählten Vertretern somit bei der Arbeit zu zuschauen.Reichstag Berlin Wolken Deutschlandfahne (mehr …)

22. April 2012. Schlagwörter: , , , , . Berlin, Besichtigung. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 9: Alba Berlin vs. Gießen 46ers (8.4.2012)

Berlin, Alba Berlin, Gießen 46ers, Eastside Gallery, O2-WorldWas wurde über diese Halle nicht alles geschrieben. Es wurde demonstriert. Es wurde diskutiert. Doch letztendlich wurde am Rande der ehemaligen Berliner-Mauer die O2-World mitten in eine Brache gesetzt. Zu ihren Füßen schlängelt sich ein langes Stück des ehemaligen antifaschistischen Schutzwalls, der heute ein buntes Kaleidoskop von Gemälden beherbergt und für Touristen immer eine Reise wert ist: die Eastside Galerie. Nur heute geht’s mal um Sport.
Nun liegt sie da, wie ein gestrandeter Wal und empfängt seine Besucher zur mittäglichen Basketballpartie zwischen Alba Berlin und den LTI Gießen 46ers. Dies ist im Vorfeld eher eine Begegnung der Gegensätze: Alba, der mehrmalige Deutsche Meister und Pokalsieger, hatte die letzten elf Spiele der Saison gewonnen und konnte heute das Dutzend voll machen. Diese Mannschaft von sehr guten Spielern (u.a.DaShaun Wood (MVP der letzten Saison), Heiko Schaffarzik und einige mehr) die mit einem vielfachen des Etats der Mittelhessen arbeiten können.
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9. April 2012. Schlagwörter: , , , , , . Basketball, Berlin, Sport. 3 Kommentare.

Ausgabe 8: Stuckrad Late Night

Stuckrad Late Night Christopher Lauer ZDFneo ADHA PiratenparteiZDFneo ist so etwas wie die Jugendwelle des öffentlich-rechtlichen Zweiten Deutschen Fernsehens, die in ihrem Hauptprogramm eher dem allgemeinen Jugendwahn entgegen arbeitet. Auf solch einem Kanal können viele Formate ausprobiert, etabliert, verändert und zur Reife gebracht werden. Dabei hat sich am Donnerstag Abend eine illustre Runde gefunden die von der eigenwilligen Sarah Kuttner, den Anarchokomikern Joko & Klaas bis zum intellektuell angehauchten Benjamin von Stuckrad-Barre reicht. Je später der Abend, desto niveauvoller der Gastgeber.

Die Buchung

Um Teil der Show zu sein – zumindest als Klatschpublikum – hat man die schnelle Möglichkeit, Tickets online zu erwerben. Sehr problemfrei, wenn man es nicht so mit dem Schutz persönlicher Daten hat. Trotz allem möchte man aber in die Show und was tut man nicht alles um ein wenig ins Bild zu geraten. Als Gast ist man wirklich gefragt, da ich die Bestätigung vergessen hatte, erreichte mich zwei Tage vor Aufzeichnung ein Anruf der Agentur die das Ticketing inne hat. Nobel werte Herrschaften, die Bestätigung wäre irgendwie einfacher wenn IN der Buchungsemail der passende Link parat wäre. Spart ihnen wohl Zeit und Geld.

Vor der Aufzeichnung

Die Studios liegen verkehrsgünstig, wenn man nicht fusslahm ist. Einen schicken Marsch von der S- und U-Bahnstation Warschauer Straße (von der anderen Seite geht’s ebenso schnell von der S-Bahn Treptower Park) an die allseits beliebte Mediaspree. Das Guggenheim Lab hats nicht geschafft – die Fernsehwerft schon. Hier wird ebenso das NeoParadise-Format produziert, das von den Ex-MTV-Homelern Joko & Klaas moderiert wird.
Das Publikum ist definitiv jung. Sehr jung. Leider aber wieder auch sehr Hip. Die Jutte-Taschen-Dichte ist hier bei 3-1. Club-Mate fließt in Strömen. Dafür scheinen sämtliche Second-Hand-Läden der Umgebung ausverkauft zu sein. Immerhin geben alle ihre Bild- und Tonrechte ab ohne zu fragen warum. Macht nichts, Gesichtsbuch hat sowieso schon alles gesammelt und per Sammelemail an die Produktion überstellt.
Die Verteilung des Publikums erfolgt im Casting-Jury-Style: drei Ich-Mach-Irgenwas-Mit-Medien-Gestalten schauen dich an, befinden wo du mit wem sitzen darfst (je kleiner die Gruppe desto besser) – und liebe Nerds aus der letzten Reihe: Ja, ihr müsst da sitzen. Da ist nämlich die Beleuchtung dunkel. Sehr dunkel. Pickel-Verschwind-Dunkel.
Der Warum-Uper Mike versucht alles aus der Gruppe von knapp 150 Zuschauern raus zuholen. Leider hat der Großteil kein DSDS-Niveau und tut ihm eher widerwillig den gefallen. Als der Gastgeber auftaucht ist das schon etwas anderes: wegen ihm sind wir hier. Nicht wegen Mike.
Der Namensgeber der Talk- und Entertainment-Sendung begrüßt mit sichtlicher Nervosität den Saal und freut sich auf seine achte Sendung der aktuellen Staffel („die ACHT ist meine Lieblingszahl – sie trägt taillierte Anzüge wie ich“). Mag man glauben oder nicht. Er verbreitet aber positive Stimmung, hackt ein wenig auf Bauer-sucht-Frau-Inka rum und da merkt man, es könnte ein schicker Abend werden.

Die Sendung

Den heutigen politischen Gast kennen viele internetaffine junge Menschen: aus der Piratenpartei Christopher Lauer. Sein Twitteraccount @Schmidtlepp ist sehr interessant, um die Arbeit dieser jungen und bisher erfolgreichen Partei ein wenig näher kennenzulernen.
Stuckrad und Lauer sind beide Vertreter des ironischen und hintergründigen Humors und die Pointen liegen versteckt, zünden dann doch und man amüsiert sich ordentlich. Stuckrad und sein Team haben gut gearbeitet und die Themen mit denen Lauer konfrontiert wird, fordern den Jungpolitiker stark heraus. Doch das Politikersprech des gebürtigen Bonners kommt schon durch und viele genaue Stellungnahmen bleibt er schuldig – immerhin DAS hat er in seiner Zeit im Berliner Abgeordnetenhaus schon gelernt.
Um Stuckrad nicht ganz so neunmal klug stehen zu lassen, wurden zwei Sidekicks engagiert die Muppets-Show-mäßig über allem thronen: Waldorf Schuhmacher und Stadler Feldenkirchen. Sehr gute Einwürfe der Zwei, allerdings stören sie meist den Fluss der Diskussion bzw. sind schonmal auf billige Lacher aus.
Das Benjamin von Stuckrad-Barre eher Freund des politisch-unkorrekten Witzes ist, wird im zweiten Teil der Sendung deutlich. Da er ebenso wie Lauer an ADHS leidet, wird kurzer Hand per Olympiade ausgespielt, wer die stärkere Erkrankung hat. Als Schiedsrichter darf Jakob Hein dienen, der mir als Gast bei Kurt Kroemer in Erinnerung geblieben ist – sehr sehr positiv. Stuckrad und Lauer hatten nun ihren passenden Gegenpart. Die letzten 15 Minuten waren somit für mich das Highlight der Sendung. Nicht wegen der eher peinlichen und meist unwitzigen Entscheidungsspiele, sondern wegen der Gespräche zwischen Schiedsrichter Hein und den Kontrahenten Lauer und Stuckrad-Barre. Mit dieser Konstellation hätte ich gern mehr Zeit verbracht. Doch 45 Minuten Sendung sind recht schnell vorbei. Nach der Aufzeichnung zweier Ankündigungstrailer muss man nun das Studio wieder verlassen.Stuckrad Late Night Christopher Lauer ZDFneo ADHA Piratenpartei

Was vom Tage übrig blieb

Spartenkanäle haben die Möglichkeit Format zu testen, besser zu machen und vielleicht ins Hauptprogramm zu hieven. Stuckrad Late Night wird den Weg in das große ZDF nicht gehen, allerdings ist es für sich eine geniale Sendung, die aber – wie immer – mit dem Gast steht und fällt. Doch können alle Showbeteiligten das Niveau halten, welches sie sich selbst auferlegen, dann hoffe ich noch lange Spaß an der Sendung zu haben. Vorallem sie live vor Ort genießen zu können.

30. März 2012. Schlagwörter: , , , , . Berlin, Fernsehen, Sendung, Show. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 6: Ab in die Försterei

Montagabend. KEIN Tag um den Verein seines Herzens spielen zusehen. Zumindest, wenn man von Kindesbeinen an den Samstag als Hauptspieltag kennt. Nur macht die Frankfurter Eintracht in dieser Saison eine Ehrenrunde – verdienter Maßen nach der Rückrunde im Jahre 2012. Daher ging die Reise in die Alte Försterei nach Köpenick.
Eintracht Frankfurt, Union Berlin, Alte Försterei, DFB, Sperre, Köpenick, UltrasImmerhin kommt die Hinfahrt aus dem Norden der Hauptstadt dem ländlichen Fußballgenuss gleich: 75 Minuten einfache Strecke machen das Erlebnis „Auswärtsfahrt“ erlebbar. U-, S-Bahn und Tram rechtfertigen den Erwerb des BVG-Tickets – mit dem KFZ an den Stadtrand hätte mehr Sprit und Nerven gekostet. Am Bahnhof Schöneweide trifft man auf die ersten Eisernen-Fans, die mit den roten Klamotten einem den Weg in die richtige Tram weisen. Als Eintrachtler musste man sich heute angeblich mit der Erkennung zurück halten – dem mächtigen DFB und den pyromanischen Frankfurter Ultras sei Dank. Doch weit gefehlt, unter dem zum Schluss 16.589 zahlenden Zuschauern, sind einige Eintrachtfans auszumachen – doch ist alles recht entspannt und die Stimmung kommt doch langsam auf.
Das Schmückstück und Stolz aller Fans ist ihre Försterei. Renoviert von den Anhängern in knapp zehnmonatiger ehrenamtlicher Arbeit und mit viel Herzblut. Dies wurde vom Verein gedankt und ¾ der Tribünen sind immer noch Stehplätze und mit 12,50€ für das Ticket mehr als erschwinglich – und das bei einem Topgegner wie dem Aufstiegskandidat aus der Bankenstadt.

Das Spiel

Souverän, abgeklärt und mit Ruhe – so beschrieben es die Medien, wie sich der Verein aus dem Hessenland präsentierte. Ganz zu meiner Zufriedenheit – lange nicht mehr so entspannt live ein Spiel verfolgt. Es lies sogar zu, dass ich die komplette zweite Hälfte mich mit einem Unioner austauschen konnte, über DFB, Aufstieg und Aussichten von Berlin als Fußballstadt. Herrlich.

Eintracht Frankfurt, Union Berlin, Alte Försterei, DFB, Sperre, Köpenick, UltrasDie Aussperrung der Eintracht Fans wurde im Stadion dann sehr schnell von den Mitgereisten umgangen – mit verbaler Unterstützung der Union Fans („Die Mauer muss weg!!!“). Die Blocktore wurde vom Sicherheitsdienst geöffnet – alles friedlich. Die Berichtserstattung am Tag danach machte es nur wieder deutlich, dass zählen nicht im Geschick der Medien liegt. Sprach man in den den lokalen Medien noch von überschaubaren Zahlen ( „500 Fans“ – FR & BZ / 600 – FAZ) konnte man von 900 (BILD) bis 1000 Fans (SpOn und Morgenmagazin ARD) alles hören. Zur Abreise hatte die Polizei nichts besseres zu tun, als die Eintrachtler im Block zulassen und diese dann geschlossen in die S-Bahn zu geleiten. Diese Vorgehensweise…ich weiss ja nicht. Man kann besser mit einer solchen Situation umgehen.

Ein schöner Abend in Köpenick. Hier hatten die Union-Fans viel dazu beigetragen – dazu vielen Dank. Als Fan erlebt man es nicht alle Tage, dass erstens die Sanktionen des größten Einzelverbandes (sic!) von fast allen Anwesenden friedlich gelöst werden und zweitens, was viel beeindruckender war: Bei einer 0:4-Niederlage feiern die eignen Fans die Mannschaft und erfreuen sich daran, in der zweiten Bundesliga weiter mit dabei zu sein. Im Westen Berlins undenkbar.

 

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28. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , . Berlin, Fußball, Gedanken, Sport. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 5: Gottschalk Live

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Waren das Zeiten: Der Fernseh hatte nur drei – vier Sender, samstags wurde nach Alter gebadet und Thomas Gottschalk begrüßte uns zu „Wetten dass…?“ . Herrlich.
Doch alles scheint zu schnell vorbei und schon ist der nette Herr Gottschalk nicht mehr beim ZDF, sondern hat sich einen schönen Sendeplatz im Ersten gesichert. Nur wie bei all seine jungen und alten Kollegen musste er sich daran gewöhnen, dass nicht Beliebtheit die Quoten bestimmt sondern der Zuspruch der Zuschauer und damit die Quote.
Nun wird das Studio im Berliner Humboldt Carré umgestaltet. Publikum soll Thomas Gottschalk zu neuen Quotenhöhen bewegen. So konnte ich meine Kindheitserinnerungen neu aufleben lassen und sicherte mir in der ersten Woche einen Platz in Gottschalks Wohnzimmer.

Die Bestellung

Eher der Zufall führte mich zur Info, dass man nun Karten erwerben konnte. In den weiten des Internets machte ein kleiner Artikel drauf aufmerksam, dass man über Grundy diese raren Tickets bekommt. Das Eventpublikum, welches sich Grundy bei DSDS, Supertalent, etc., ins Studio holte wusste es schon vorher, dank des Newsletters. Ist das Gottschalks Zielpublikum? Klatsch-und-Fußtrampel-Material? Allem Anschein.
Der Anruf war schnell getätigt (Kartenpreise eigentlich 5€/Gast) und da ich kurzfristig meine Zeitplanung darauf ausrichten konnte, bekam ich noch kostenlosen Zutritt. Dürfte in naher Zukunft nicht möglich sein. Alles wichtige dann per Email erhalten: Reservierungsbogen, Wegbeschreibung und AGBs. Es konnte also starten.

Die Ankunft

Warum der nette Herr Gottschalk seine Talkshow am Vorabend ohne Publikum machen wollte, wird einem bei Ankunft klar. Man sollte keinen Bevölkerungsdurchschnitt erwarten, hier ist die Couchgeneration angekommen: eine Gruppe Pädagogikstudentinnen, Beamtennerds und die obligatorische Mandy aus Berlin-Hellersdorf die in einer Weiterbildungsmaßnahme steckt. Herr Gotschalk wird seinen neuen Produzenten verfluchen.
Das Treiben auf den Studio Fluren kennt man irgendwie. Junge Menschen, die irgendwas mit Medien machen wollten, laufen hektisch und mit tiefen Augenringen am wartenden Fußvolk vorbei. Das Recht am eigenen Bild wird abgetreten – zumindest für die Sendung. Mit einer großen Geduld erklärt der Produktionsassistent jedem, was die auszufüllende Karte bedeutet. Hut ab, Herr Assi. Nach dem 30. immer noch die gleiche Ruhe zu haben, sollten sich die Damen von Karstadt mal abschauen. Nach einem Check wie am Flughafen („Damit wir da oben alle sicher sind“wtf?) geht es durch das Treppenhaus in den dritten Stock und kommt in das karge, karge Studio.

Die Sendung

Um den besten Blick zu haben, will natürlich jeder in die ersten Reihe. Der Produktionsassi verteilt nach Aussehen. Bin zufrieden als ich in die erste Reihe darf. Sehe ich das Publikum hinter mir, wird meine Freude allerdings stark relativiert.
Kumpel Thomas erscheint fünf Minuten vor Sendebeginn vorm seinem heutigen Bundesdurchschnitt und wärmt es auf. Die aktuelle Diskussion um seine Sendung setzt ihm zu, wie man nach den ersten drei Minuten merkt. Seine Freunde der schreibenden Presse hatten an diesem Tag bekannt gemacht, dass Überlegungen zur Absetzung der Sendung zum Sommer gestartet sind. Verständlicher Ärger bei Tommy, doch muss man mit Kritik umgehen können. Zehn Sekunden vor Sendestart knipst er sein Lächeln an – das isser, der Talkprofi.
Gäste der Sendung sind Ursula Karven (B-Schauspielerin) und Steffen Hensler (ZDF-Koch – andere Frage, kocht da irgendwer nicht?)
Frau Karven kann nicht überzeugen. Promo für ihren ARD-Film am kommenden Abend und die Selbstdarstellung im Playboy (sic!). Gottschalk spult die typischen Gags ab („lese den nur wegen Dalai Lama Interview“) und Ursula hat natürlich VOLLE Rückendeckung ihrer Familie. Geld spielte da sowieso nie eine Rolle.
Steffen Hensler, Typ Sonnyboy aus Hamburger Ecke, ist da schon ein sympatischer Zeitgenosse der mit Charme direkt mehr darstellt als seine Vorgängerin. Gut, wer insgesamt hohe Talkshowinhalte erwartete, ist hier falsch. Aber die Art und Weise wie Unser-aller-Tommy seine Gäste präsentiert und umgarnt ist schön mit anzusehen. Obwohl ich bisher nur zwei Sendungen gesehen hatte – die erste mit Lagerfeld und die Vortagessendung mit Frau Nick – merkt man den Spaß, welchen der Gastgeber nun endlich gefunden zu haben scheint.
Nach Verteilung von Sushi, wars dann vorbei. Kurze Verabschiedung – Tschö. Ich mach Wochenende.

Der Rest vom Schützenfest

Irgendwie fühlt man sich nach dem Konsum einer solchen Sendung, als hätte man Fast-Food genossen: Wars das jetzt wert? Eine hoffentlich wachsende Sendung, die aber wohl nie das geforderte Quotenziel erreichen wird. Wenigstens kann man für sich sagen, dass man den Versuch einer Showgröße gesehen hat, im Kleinen anzukommen.

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23. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , . Berlin, Fernsehen, Sendung, Show. 2 Kommentare.

Ausgabe 4: Wronkong (Comet-Club 14.März 2012)

Wronkong Comet-Club BerlinGroße Stars kann jeder entdecken, doch die unbekannten Bands machen doch das Salz in der Suppe aus. Als Opa will ich meinen Enkeln sagen können: DIE hab ich damals in nem ganz kleinen Club gesehen. Aber es ist wie das Entdecken eines guten, nicht gehypten Buches – verdammt schwierig und die Ausfallquote ist enorm hoch.

In der letzten Woche konnte man im Kiez um das Schlesische Tor an einem lauen Mittwochabend viele Entdeckungen machen. So bot das Lido das dänische Trio Whomadewho. Der Magnet Club wartete mit der französichen Gruppe Pony Pony Run Run auf. Doch schafften meine Begleitung und ich, die absolut unbekannten Wronkong im Comet Club zu erleben.

Der Comet Club ist ein sehr angenehmes Umfeld, für ein kleines privates Konzert. Großzügig geschätzt, bekommt man zweihundert Besucher hinein und wäre dann ordentlich aufgeheizt. An diesem Abend schafften es knapp 50 Verwegene, das umliegende Programm zu ignorieren und sich auf das Abenteuer Wrongkong einzulassen.
Die deutsch-kanadische Truppe veröffentlichte zu Beginn des Jahres ihr mittlerweile drittes Studioalbum („so electric“) und führte dieses mit einer kleinen Tour durch Deutschland ein. Diese führt durch insgesamt dreizehn Städte. Den Abschluss findet diese Reise am 21.4. in Dresden. Nun zum Konzert.
Wrongkong (diese Ableitung stammt von Hong Kong – nicht King Kong!) haben sich mit ihrer Musik dem Electro-Pop verschrieben. Ihre Stücke sind teilweise energiegeladen aber ebenso lassen sie dem Zuhörer ruhige, melancholische Melodien geniessen.

Wronkong Sängerin Cyrena Dunbar Comet Club BerlinVon solch kleinen Konzerten sollte man nie zuviel erwarten, zumal  Wrongkong mit drei Alben, die eher in der Szene bekannt waren, bisher nicht auf die großen Bühnen gesehen wurden. Aber warum eigentlich?
Ihre Stücke haben viel Mithörpotential und ohne Vorkenntnisse der Arbeiten von Wronkong ist man schnell gefangen in dieser Mischung aus Pop und electronisch-housigen Beats. Die Anlehnung an den Mainstream sind sich die fünf Musiker – hoffentlich – voll bewusst, denn Wrongkong schöpfen das komplette Arsenal aus: griffige Melodien mit wenig schnick-schnack, eine attraktive Sängerin und die massenkompatiblen „Uh Uh“- und „Ah Ah“-Passagen. Und hier liegt der Knackpunkt, den man nach ca. ¾ des Konzertes spürt: Es hört sich vieles gleich an. Die Tempi der einzelnen Lieder ist sehr variabel und funktionieren auf ihre Weise, doch mit nur dieser Veränderung entwickelt sich nichts neues.

Fans von Moloko und Sophie Ellis Bextor finden hier eine recht unbekannte Band, die mit viel Glück den Weg in die Playlist der Radiostationen finden wird. Ihre aktuelle Singelauskopplung „my dearesr enemy“ hat guten  Wiedererkennungswert. Leider muss ich weiterhin auf die Entdeckung warten, um meine Enkel in ferner Zukunft zu beeindrucken.

 

Wrongkong Berlin Coemt Club März

21. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , . Berlin, Comet Club, Konzert, Musik. Hinterlasse einen Kommentar.