Ausgabe 14: Jour Fitz (2.7.2012)

Berlin Lesung Leseabend Jourfitz TwitterLeseabende sind was tolles. Da kommen unterschiedliche Menschen zusammen und hören interessiert den Themen der Autoren zu. Doch was passiert, wenn man den verworrenen Gedanken von Twitterern lauschen soll?

Dies beantwortet unter anderem der Leseabend „Jour Fitz“ der in unregelmäßigen Abschnitten im Berliner „4010“, einer Zweigstelle eines Großverdieners der Telekommunikationsbranche, stattfindet und seine Zuschauer unterhält. (mehr …)

3. Juli 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Berlin, Buch, Gedanken, Show. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 2: Russendisko

Berlin schafft es immer wieder sich neu zu erfinden. Dies war so im Berlin der Zwanziger Jahre, nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und ist heute mit ihrer Kulturlandschaft auf Höhe der Zeit – sagen zumindest einflussreiche Fuelltionisten. Russendisko, Schweighöfer, Mühe, Kinostart, Film, Kaminer

Eine Zeit die ebenfalls zum Facettenreichtum Berlins beitrug, waren die Jahre nach der Öffnung der Mauer und der Wiedervereinigung. In dieser Zeit spielt Wladimir Kaminers Geschichtensammlung „Russendisko“. Diese Sammlung von skurilen Geschichten und Anekdoten war der schriftstellerische Durchbruch des gebürtigen Moskauers.Nun wurde dieses Buch zur Vorlage des gleichnamigen Filmes und kommt am 29.März in die Lichtspielhäuser.

Die deutsche Allzweckwaffe Matthias Schweighöfer darf sich wiedermal als sympatischer und unbeholfener Schönling präsentieren, der mit seinem Charm versucht die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Sein mittlerweile vierundzwanigster abendfüllender Kinofilm macht deutlich, dass eine Übersättigung an diesem Mimen bald eintreten wird. Damit er sich als Kaminer-Darsteller  nicht so ganz alleine fühlt, wurden ihm die deutschen Jungschauspieler Friedrich Mühe (zusammen mit Schweighöfer auch in Friendship!) und Christian Friedel (Das weisse Band) zur Seite gestellt. Die drei besten Freunde (sic!) versuchen in der Zeit der Maueröffnung im umstürzenden Deutschland, eine Existenz in Berlin aufzubauen. Dieses Unterfangen stellt sich überraschenderweise als relativ schwer heraus. Mehr brauch man über diesen Film nicht wissen. Mehr bleibt nach den 100 Minuten Kino-Fast-Food auch nicht hängen.
Von Beginn an stört die akzentfreie Schauspielleistung des Trios. Eine Erklärung warum sie dies so gut können, gibt es nicht. Dadurch wird es auch schwer zwischen den russischen Aussiedlern und ihren deutschen Mitmenschen zu unterscheiden. Hatte der Film Almanya noch eine sehr kreative und gute Lösung, bleiben dies die Hauptverantwortlichen für dieses Machwerk, Produzent Hahnheiser und Drehbuchautor Ziegenbalg, schuldig. Es ist nicht einfach eine Sammlung von Geschichten in einen Film mit roten Faden zu verwandeln; probieren sollte man es zumindest. Das Micha (gespielt von Mühe) dann bei seiner Passion Singen wieder vollständig russische Ferse von sich gibt, verwirrt den Zuschauer noch mehr. Im zughörigen Presseheft schreibt Hahnheiser:

„Ich wurde einmal mehr darin bestätigt, dass ein gutes Drehbuch die wichtigste Grundlage für einen guten Film ist.“

Hätte er mal weiter nach einem guten Drehbuch gefahndet.

Zumindest in der Ausstattung kann man dem Film nichts nachsagen. Hier wurde versucht viele kleine Dinge zu beachten und bei russischen Zuschauern den ein oder anderen Aha-Effekt zu erhaschen. Doch fällt dem Filminteressierten schnell auf, dass bei der Wahl der Außenkulisse die Berliner Straße der Filmstudios Babelsberg einmal mehr her halten musste. Wurde diese bei Inglourious Basterds umgebaut und man so noch zweimal hinsehen musste, hat man bei Russendisko ab der ersten Szene das Gefühl, man stehe wieder mit dem Pianisten innerhalb der bekannten Häuser.
Ein weiteres Plus sind die Gastauftritte von Wladimir Kaminer, der als russischer Radioarzt wirklich witzig ist. Hier blüht der Witz auf, leider bereichert dies nicht um die Ausgaben für eine Kinokarte zu rechtfertigen.

Solche Filme bezeichne ich meist als: Sonntags-Mittag-Pro7-Film. Um diesem Machwerk mit Humor und Freude zu begegnen, muss mal allerdings noch zusätzlich einen Kater auskurieren.

7. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Buch, Film. Hinterlasse einen Kommentar.