Ausgabe 6: Ab in die Försterei

Montagabend. KEIN Tag um den Verein seines Herzens spielen zusehen. Zumindest, wenn man von Kindesbeinen an den Samstag als Hauptspieltag kennt. Nur macht die Frankfurter Eintracht in dieser Saison eine Ehrenrunde – verdienter Maßen nach der Rückrunde im Jahre 2012. Daher ging die Reise in die Alte Försterei nach Köpenick.
Eintracht Frankfurt, Union Berlin, Alte Försterei, DFB, Sperre, Köpenick, UltrasImmerhin kommt die Hinfahrt aus dem Norden der Hauptstadt dem ländlichen Fußballgenuss gleich: 75 Minuten einfache Strecke machen das Erlebnis „Auswärtsfahrt“ erlebbar. U-, S-Bahn und Tram rechtfertigen den Erwerb des BVG-Tickets – mit dem KFZ an den Stadtrand hätte mehr Sprit und Nerven gekostet. Am Bahnhof Schöneweide trifft man auf die ersten Eisernen-Fans, die mit den roten Klamotten einem den Weg in die richtige Tram weisen. Als Eintrachtler musste man sich heute angeblich mit der Erkennung zurück halten – dem mächtigen DFB und den pyromanischen Frankfurter Ultras sei Dank. Doch weit gefehlt, unter dem zum Schluss 16.589 zahlenden Zuschauern, sind einige Eintrachtfans auszumachen – doch ist alles recht entspannt und die Stimmung kommt doch langsam auf.
Das Schmückstück und Stolz aller Fans ist ihre Försterei. Renoviert von den Anhängern in knapp zehnmonatiger ehrenamtlicher Arbeit und mit viel Herzblut. Dies wurde vom Verein gedankt und ¾ der Tribünen sind immer noch Stehplätze und mit 12,50€ für das Ticket mehr als erschwinglich – und das bei einem Topgegner wie dem Aufstiegskandidat aus der Bankenstadt.

Das Spiel

Souverän, abgeklärt und mit Ruhe – so beschrieben es die Medien, wie sich der Verein aus dem Hessenland präsentierte. Ganz zu meiner Zufriedenheit – lange nicht mehr so entspannt live ein Spiel verfolgt. Es lies sogar zu, dass ich die komplette zweite Hälfte mich mit einem Unioner austauschen konnte, über DFB, Aufstieg und Aussichten von Berlin als Fußballstadt. Herrlich.

Eintracht Frankfurt, Union Berlin, Alte Försterei, DFB, Sperre, Köpenick, UltrasDie Aussperrung der Eintracht Fans wurde im Stadion dann sehr schnell von den Mitgereisten umgangen – mit verbaler Unterstützung der Union Fans („Die Mauer muss weg!!!“). Die Blocktore wurde vom Sicherheitsdienst geöffnet – alles friedlich. Die Berichtserstattung am Tag danach machte es nur wieder deutlich, dass zählen nicht im Geschick der Medien liegt. Sprach man in den den lokalen Medien noch von überschaubaren Zahlen ( „500 Fans“ – FR & BZ / 600 – FAZ) konnte man von 900 (BILD) bis 1000 Fans (SpOn und Morgenmagazin ARD) alles hören. Zur Abreise hatte die Polizei nichts besseres zu tun, als die Eintrachtler im Block zulassen und diese dann geschlossen in die S-Bahn zu geleiten. Diese Vorgehensweise…ich weiss ja nicht. Man kann besser mit einer solchen Situation umgehen.

Ein schöner Abend in Köpenick. Hier hatten die Union-Fans viel dazu beigetragen – dazu vielen Dank. Als Fan erlebt man es nicht alle Tage, dass erstens die Sanktionen des größten Einzelverbandes (sic!) von fast allen Anwesenden friedlich gelöst werden und zweitens, was viel beeindruckender war: Bei einer 0:4-Niederlage feiern die eignen Fans die Mannschaft und erfreuen sich daran, in der zweiten Bundesliga weiter mit dabei zu sein. Im Westen Berlins undenkbar.

 

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28. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , . Berlin, Fußball, Gedanken, Sport. Hinterlasse einen Kommentar.