Ausgabe 7: Mit Harry Potter in eine neue Zeit

Da steht er nun. In seinem ersten Film nach Harry Potter – Daniel Ratcliff. Ein wenig bleibt der Wahl der Kleidung treu, und entschloss sich in der Nach-Hogwartsära erneut den feinen Zwirn zu tragen. Das ist allerdings die einzige Gleichheit zwischen diesen zwei so unterschiedlichen Filmen.
In dem eher mystischen, märchenhaften und horroresken Machwerk  Die Frau in schwarz von James Watkins, der bisher eher genrespezifische Filme wie „The descendets 2“ und „Eden Lake“ fabrizierte, hat der Drehbuchautor und Regisseur sich den Jungschauspieler Ratcliff als Zugpferd vor den Wagen gespannt.
Dieser stellt den Juristen Harry Potter Arthur Kipps dar, der nach dem Tod seiner Frau auf dem Kindbett, sich nicht mehr des Lebens erfreuen kann. Ebenso vernachlässigt er den Sohn, der von der Nanny aufgezogen wird und seinen Daddy nur als trauriges Etwas in Bildern darstellt. Potter Ratcliff Kipps bekommt von seinem Chef den Auftrag den Besitz einer verstorbenen Dame in einer Grafschaft weitab von London aufzulösen. Dies sei seine letzte Chance – warum dies seine letzte Chance ist, wird nicht erklärt. Warum auch? Wir sind ja nicht zum denken, sondern zum gruseln in den dunklen Raum mit der großen weißen Wand gekommen. Also her mit den gruseligen Momenten!!
Der Nachlass entpuppt sich als riesiges Herrenhaus, auf einer Insel (wer baut da bitte schön?!?) mitten im Moor. Nur bei Ebbe kann die Insel erreicht werden. Natürlich gehört ein kleiner Friedhof (sic!) auf diese Insel, wo nur die ehemaligen Bewohner begraben liegen. Dafür das das Haus so alt und herunter gekommen aussieht, haben es ziemlich wenig Menschen herunter gewohnt. Sorry, hatte Logik erwartet. Dies ist mittlerweile ausgeschlossen.
Im Verlauf des Filmes werden sämtlichen Horrorklischees bedient: dunkle, verwinkelte Räume, Holzdielen die bei jedem Schritt knarzen, schemenhafte Gestalten die plötzlich da und wieder weck sind und die Thrillmusik, die zumindest die vier Mädels erschreckten, die neben mir diesen Film sehen wollten.
Das sagt aber schon alles – wenn Sie ein 13-16 jähriges Mädel in Familien- und Verwandtenkreis haben, dann machen Sie sich den Spaß und gehen mit ihr hin. Sie wird zucken – Sie werden lachen. Wenn Sie sich gruseln wollen, warten Sie auf einen besseren Film.


Im Großen und Ganzen fehlt Herrn Ratcliff seine Sidekicks Hermine und Ron (die allem Anschein nach wieder als Kinderdarsteller im nahen Dorf wohnen) um ihm seine schauspielerische Leistung voll ab zukaufen. Das gehetzte und verstörte Verhalten des ehemaligen Qudditch-Meisters, wird von ihm sehr überzeugend präsentiert. Zumal er diesen aus eigener Entzug-Erfahrung wohl kennt.

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30. März 2012. Schlagwörter: , , , , . Film. Hinterlasse einen Kommentar.

Ausgabe 2: Russendisko

Berlin schafft es immer wieder sich neu zu erfinden. Dies war so im Berlin der Zwanziger Jahre, nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und ist heute mit ihrer Kulturlandschaft auf Höhe der Zeit – sagen zumindest einflussreiche Fuelltionisten. Russendisko, Schweighöfer, Mühe, Kinostart, Film, Kaminer

Eine Zeit die ebenfalls zum Facettenreichtum Berlins beitrug, waren die Jahre nach der Öffnung der Mauer und der Wiedervereinigung. In dieser Zeit spielt Wladimir Kaminers Geschichtensammlung „Russendisko“. Diese Sammlung von skurilen Geschichten und Anekdoten war der schriftstellerische Durchbruch des gebürtigen Moskauers.Nun wurde dieses Buch zur Vorlage des gleichnamigen Filmes und kommt am 29.März in die Lichtspielhäuser.

Die deutsche Allzweckwaffe Matthias Schweighöfer darf sich wiedermal als sympatischer und unbeholfener Schönling präsentieren, der mit seinem Charm versucht die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Sein mittlerweile vierundzwanigster abendfüllender Kinofilm macht deutlich, dass eine Übersättigung an diesem Mimen bald eintreten wird. Damit er sich als Kaminer-Darsteller  nicht so ganz alleine fühlt, wurden ihm die deutschen Jungschauspieler Friedrich Mühe (zusammen mit Schweighöfer auch in Friendship!) und Christian Friedel (Das weisse Band) zur Seite gestellt. Die drei besten Freunde (sic!) versuchen in der Zeit der Maueröffnung im umstürzenden Deutschland, eine Existenz in Berlin aufzubauen. Dieses Unterfangen stellt sich überraschenderweise als relativ schwer heraus. Mehr brauch man über diesen Film nicht wissen. Mehr bleibt nach den 100 Minuten Kino-Fast-Food auch nicht hängen.
Von Beginn an stört die akzentfreie Schauspielleistung des Trios. Eine Erklärung warum sie dies so gut können, gibt es nicht. Dadurch wird es auch schwer zwischen den russischen Aussiedlern und ihren deutschen Mitmenschen zu unterscheiden. Hatte der Film Almanya noch eine sehr kreative und gute Lösung, bleiben dies die Hauptverantwortlichen für dieses Machwerk, Produzent Hahnheiser und Drehbuchautor Ziegenbalg, schuldig. Es ist nicht einfach eine Sammlung von Geschichten in einen Film mit roten Faden zu verwandeln; probieren sollte man es zumindest. Das Micha (gespielt von Mühe) dann bei seiner Passion Singen wieder vollständig russische Ferse von sich gibt, verwirrt den Zuschauer noch mehr. Im zughörigen Presseheft schreibt Hahnheiser:

„Ich wurde einmal mehr darin bestätigt, dass ein gutes Drehbuch die wichtigste Grundlage für einen guten Film ist.“

Hätte er mal weiter nach einem guten Drehbuch gefahndet.

Zumindest in der Ausstattung kann man dem Film nichts nachsagen. Hier wurde versucht viele kleine Dinge zu beachten und bei russischen Zuschauern den ein oder anderen Aha-Effekt zu erhaschen. Doch fällt dem Filminteressierten schnell auf, dass bei der Wahl der Außenkulisse die Berliner Straße der Filmstudios Babelsberg einmal mehr her halten musste. Wurde diese bei Inglourious Basterds umgebaut und man so noch zweimal hinsehen musste, hat man bei Russendisko ab der ersten Szene das Gefühl, man stehe wieder mit dem Pianisten innerhalb der bekannten Häuser.
Ein weiteres Plus sind die Gastauftritte von Wladimir Kaminer, der als russischer Radioarzt wirklich witzig ist. Hier blüht der Witz auf, leider bereichert dies nicht um die Ausgaben für eine Kinokarte zu rechtfertigen.

Solche Filme bezeichne ich meist als: Sonntags-Mittag-Pro7-Film. Um diesem Machwerk mit Humor und Freude zu begegnen, muss mal allerdings noch zusätzlich einen Kater auskurieren.

7. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , . Buch, Film. Hinterlasse einen Kommentar.