Ausgabe 1: 20 Jahre INTRO-Magazin

 Vor mir liegt es nun, die Ausgabe #200 des INTRO-Magazins. Bisher fiel mir dieses Magazin nicht wirklich auf, außer das dieser Verlag auch für die Publikation des hervorragenden 11Freunde – Magazins verantwortlich ist.
Das Intro-Magazin ist ein kostenloses Magazin, welches sich hauptsächlich durch Werbanzeigen finanziert und sich mit verschiedenen Veranstaltungsreihen wie z.B. dem MELT!-Festival in der Szene des Indipendent einen Namen gemacht hat. Zum 20jährigen Jubiläum der ersten Ausgabe, sammelten sich zur Gratulation verschiedene Künstler, Bands und Djs am 2.3.2012 in der Columbiahalle und dem C-Club zu Berlin.

Für mich war dieses Mini-Festival ein Sprung ins Ungewisse. Bis auf die Headliner Maximo Park kannte ich nicht nicht einen Act. Das sollte mich aber nicht hindern einen sehr interessanten und erhellenden Abend zu haben.

Unsere kleine Reisegruppe begab sich nun auf dieses Fest, direkt am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Als Plan stand logischerweise fest, so viele Programmpunkte wie möglich mitzunehmen und die 23€ voll aus zu kosten. Den Anfang sollte ein Mann machen, den ich bisher nur vom Sonnendeck kannte:

PeterLicht

Dieser wird gern als Phantom der Popper gesehen, da es von ihm in den ersten vier Jahren seiner Karriere keine Bilder oder Filmaufnahmen gab. Wichtige Preise nahm schon mal ein Freund an, da PeterLicht dieses öffentliche Leben nicht wollte. Allerdings muss auch gesagt werden, wer in die künstlerische Schiene geht sollte damit rechnen, dass seine Gesichtszüge in Zeitungen, Magazinen oder TV-Beiträgen zu sehen ist. Aber egal.

Vor uns stand nun ein kleiner Mann, der die Ausstrahlung eines Sachbearbeiters A-F der BKK für Heilberufe ausstrahlte. Seine sehr speziellen Texte handelten von philosophischen Themen, die zum Einstieg in einen Musikabend nicht wirklich geeignet waren. Nach einem gefühlten 15minütigen Stück mit eher zusammenhanglosen Wörtern beschlich mich der Gedanke, einen eher grausamen Abend vor mir zu haben. Meine Begleitung machte nun den Vorschlag in den kleinener C-Club zu gehen und uns Little boots zu zu wenden.

Es ging also über den liebevollen Übergangshof zwischen der Columbia- und dem C-Club. Die drei aufgestellten Stände erinnerten eher an den Weihnachtsmarkt von Ober-Roda, es war aber zweckdienlich für Speis und Trank gesorgt. Zu entsprechenden Preisen.

Little boots

Dieses Projekt besteht eigentlich nur aus Victoria Christina Hesketh, die sich aber zur Unterstützung auf der Bühne, noch einen Keyborder, einen Drummer und eine junge Dame an der Leadgitarre zur Seite stellte.
Ihre Mischung des Elektro-Brit-Pop ist mit sehr eingängigen Melodien gesegnet, und lässt den Fuß leicht mitwippen. Vor allem klingt jeder Song so, dass man meint ihn irgendwo schon gehört zu haben. Nichts was länger im Ohr bleibt, dennoch kompatibel in diesen Abend hinein passte.

Nach dem kompletten Gig dieser netten blonden jungen Dame, konnten wir nun wieder den Rückweg antreten um den Headliner in der großen Halle, Maximo Park, zusehen. Allerdings hat uns der allmächtige Konzert- und Bookinggott noch einen weiteren Deutsch-Philosophen mit seiner Klampfe gesetzt:

Thees Ullmann

Wieder ein deutscher Liedermacher mit seinem überdimensionalen Eierschneider aus Holz. Na herrlich! Und das soll hier eine Party sein, die das Jubiläum eines Musikmagazins feiern sollte? Wohl eher die Beerdigung.
Ich fand mich schon damit ab, dass ich nach Little boots und dem anstehenden Auftritt von den Headlinern nicht mehr allzu viel erwarten durfte.
Der Schwiegermamasliebling Ullmann erzählte uns von Lachsen die zum Laichen und sterben die Flüsse hinaufziehen. Wieviel Club Mate musste man in Neukölln eigentlich getrunken haben um so drauf zu kommen? Überraschend war nun nicht, dass Licht und Ullmann sich schon länger kennen. Wahrscheinlich sind auf der gleichen Station behandelt worden. Der dritte im Bunde ist der nicht anwesende Casper, der von Thees über den Klee gelobt wurde. Wiederum ein Grund, seine Alben von meiner „Noch-zu-hören-Liste“ zu streichen.

Nach einer wirklich kurzen und sehr entspannten Umbauphase kamen, der für mich, Hauptgrund dieses Abends auf die Bühne:

Maximo Park

Diese fünf Jungs aus Newcastle wussten von Beginn an, was die Leute vor der Bühne wollten: Harte Riffs, schneller Sound und das ganze möglichst dreckig. Ihr „Girls who play guitars“ zeigte sofort wohin ihr Abend gehen würde. Der Mann mit der Mütze (Paul Smith) schaffte es sehr schnell die Maßen zum hüpfen zu bewegen und jeder Ihrer Songs ging dahin wo er hin sollte: in die Ohren und von da aus in die Beine.
Nach einigen mir eher unbekannten Stücken, kam nun der Song weswegen ich eigentlich hier war: „Books from boxes“. So ein Lied mal laut, live und groß zu hören machte Spaß und entschädigte dann irgendwo doch wieder.

Doch bald musste wieder Abwechslung her und somit ging die Reise ein letztes Mal in den C-Club wo schon seit geraumer Zeit die Member der Simian Mobile Disco auf uns warteten.

Simian Mobile Disco

Wer Alben der Produzenten Jas Shaw und James Ford kennt, konnte sich nun von deren Live-Sound überraschen lassen.
Die eher ruhigen und housigen Tracks des Duos waren hier nicht gefragt. Uns begrüßten schon treibende Beats und Loops, die im Zusammenhang mit Simian mobile disco so nicht zu erwarten waren.
Die Jungs hatten die Menge so im Griff, dass egal welcher Beat, egal welche Drum oder egal welche Richtung der elektronischen Musik eingeschlagen wurde, sich alle dieser hingaben. Die zwei Plattenleger (die leider keine Platten hatten, sondern wie viele elektronische Aufleger sich nur noch mit Laptop oder entsprechenden Playern auftauchten) verstanden es hervorragend ekstatische mit ruhigeren Phasen zu kombinieren und somit ihr 90minütges Set nicht eine Minute langweilig zu gestalten.

So langsam schien sich der Eintrittspreis gelohnt zu haben, doch die Überraschung des Abends war

Mike Skinner

Der Mastermind hinter der Trip-Hop Hip-Hop Band The Streets konnte zu Beginn seines Sets nicht wirklich überzeugen. Es schien als habe er mit der Technik zu kämpfen, die wohl nicht nach seinem Gusto installiert worden zu sein. Doch dieser Eindruck wurde ab dem vierten Track revidiert. Konnte man zu den ersten houselastigen Songs noch kopfnickend in der Ecke stehen, forderte der erste richtige Bass des Sets die Zuörer auf endlich den Finger aus dem Arsch zu nehmen. Skinner kombinierte fiesesten Drum n Bass mit schnellen Jungelstücken um dann dem tanzenden Volk mit gradlinigem Techno zu zeigen wer der ist, der die Hosen an hat. Der Musik-Nerd erarbeitete sich Übergänge zwischen den einzelnen Tracks, dass es nur so eine Freude war.

Da der Uhrzeiger unaufhaltsam gegen den frühen Morgen wanderte, fiel der Entschluss diesen Abend hier zu beenden. Hatten wir doch von elf anwesenden Künstlern und Bands sechs gesichtet und mehr oder weniger für gut erachtet.
Mit leicht zermatschten Trommelfellen (nur wer zwei Meter von der Bass-Box steht kann es mit Chuck Norris aufnehmen) schlenderten wir zum Platz der Luftbrücke und dann Richtung Betten. Wie immer in dieser Stadt ist vor der Ruhe erst eine lange Fahrt gestellt, aber eines konnten wir uns sicher sein: Dieser Eintrittspreis hatte sich gelohnt und entsprach auch dem Spektrum des Intro-Magazins. Nicht alles muss dem Leser- bzw. Zuhörer gefallen, aber gut aufbereitet und schmackhaft sollte es sein. Weiter so Jungs und Mädels, auf die nächsten 200 Ausgaben!

5. März 2012. Schlagwörter: , , , , , , , , , , , . Konzert, Musik. Hinterlasse einen Kommentar.